Ivo Kilian ist, seit er ein Kind war, auf Bein-Prothesen angewiesen. Seit zwei Jahren gehört er zur Weltspitze der Para-Kanuten. Die Orthopädietechniker im Sanitätshaus Eisenberg haben daran ihren Anteil.

Eisenberg. So etwas nennt man wohl ein Naturtalent. Im März vor zwei Jahren nimmt Ivo Kilian zum ersten Mal in einem ­Kanu Platz. „Das war purer Zufall, ein Bekannter dachte, das wäre etwas für mich“, erzählt der 38-Jährige. Er sollte recht ­behalten. Nach nur ein paar Monaten Training sichert sich der Hallenser sofort die WM-Norm in seiner Parakanu-Klasse und paddelt bis auf drei Sekunden an den damals gültigen Weltrekord heran. „Seine“ Strecke sind die 200 Meter Sprint in den Kanu-Typen Kanadier und Kajak.

Wegen einer Fehlbildung der unteren Extremitäten trägt Ki­lian Bein-Prothesen, seitdem er zwei Jahre alt ist. „Wir kennen Ivo schon lange als Patienten“, sagt Heiko Wulschner vom ­Sanitätshaus am Waldkrankenhaus Rudolf Elle. Man kommt ins Plaudern, Ivo erzählt von seinem neuen Hobby, und die Orthopädietechniker wollen helfen. Denn die Boote sind eigentlich für Menschen ohne Handicap gebaut, die sich mit ihren Beinen im Boot abstützen.

Vor zwei Jahren bauen sie ihm einen maßgeschneiderten Kanu-Sitz aus Aluminium. Er wird mit Spezialhalterungen versehen, so dass die Kraft durch den Oberkörper und die Oberschenkelstümpfe direkt auf das Boot übertragen werden kann.

Doch der Ehrgeiz der Eisenberger Fachleute ist damit nur temporär gestillt. Im Mai dieses Jahres entscheidet sich bei der WM in Duisburg, ob Ivo Kilian bei den Paralympics in Rio antreten darf. Am Material soll das nicht scheitern. Daher konnte sich der Kanu-Sportler gestern einen neuen, verbesserten Sitz aus Carbon und Epoxidharz im Sanitätshaus abholen.

„Der ist leichter, stabiler und aerodynamischer“, so Orthopädietechniker Heiko Wulschner, der zusammen mit seinen Kollegen am Sitz getüftelt hat. Mit 1500 Gramm bringt der neue Sitz gut zwei Kilo weniger auf die Waage als sein Vorgänger. Die Kosten dafür – rund 1000 Euro Materialkosten plus gute 100 Arbeitsstunden – trägt das Krankenhaus als Sponsor. „Bei Ivos Werdegang sind wir uns ­einfach sicher, dass er hinter seinem Sport steht“, betont Heiko Wulschner.

Der Sportler bereitet sich jetzt im Winter vor allem mit Krafttraining auf die neue Saison vor. Im Sommer geht es dann wieder aufs Wasser, genauer: auf den Hufeisensee in Halle. Im April wird es beim ersten Sichtungsrennen für die WM ernst. Ivo Kilian ist guter Dinge, will sich aber nicht verfrüht Hoffnungen machen: „Es kann immer jemand kommen, der plötzlich viel schneller ist als du.“ Er sei vor zwei Jahren ja schließlich auch aus dem Nichts in die Weltspitze gefahren.

Nur ein Rennen bei Olympia

Doch wenn es zur WM reicht, muss er hier einen der ersten neun Plätze belegen, um sich den großen Traum von Olympia zu erfüllen. Aber im Gegensatz zu einer EM oder WM, wo man sich in Vorläufen und Endläufen mit bis zu dreißig anderen Sportlern messen kann, sei der Wettbewerb in Rio recht klein gehalten: „Es gibt nur ein Rennen mit diesen neun Startern.“

Derzeit benötigt der zwei­fache Vater für seine Sprint­strecke rund 48 Sekunden. Ob er am Rekord – 43 Sekunden – kratzen kann, will Ivo Kilian nicht versprechen. Heiko Wulschner gibt sich da optimistischer: „Du bist ja noch nicht im neuen Sitz ­gefahren“, gab der Orthopädietechniker schmunzelnd zu „bedenken“.